Sie verwandelt Mist und Gülle zwar nicht in Gold, aber immerhin in Strom: die Hofdüngeranlage auf dem Fahrhof im aargauischen Sins. Im Unterschied zu der grossen Biomethan-Anlage im jurassischen Courtemelon, die die Stiftung KliK zuletzt besucht hatte und die auch Grüngut sowie Speiseabfälle verwertet, wird die Anlage der Gebrüder Ruckli ausschliesslich mit Abfallprodukten aus der Landwirtschaft "gefüttert".

Zum Betrieb auf dem 40 Hektar grossen Fahrhof gehören nebst 24 Milchkühen noch rund 20 Rinder, 110 Zuchtschweine und zirka 200 Mastschweine. Sie alle machen Mist, der nun nicht mehr herumliegt und klimaschädliches Methan ausstösst. Das Treibhausgas bildet sich bei der Vergärung des Hofdüngers nun unter einer geschlossenen Kuppel, wo es abgefangen und zur Stromerzeugung genutzt wird. Der so produzierte Strom wird ins Netz eingespeist. Ein weiterer positiver Faktor der Anlage für die Gegend sind geringere Geruchsemissionen.

"Wollten aus unserem ‘Scheiss’ etwas machen"

Marc Ruckli erwartet, dass pro Jahr ungefähr 5000 Tonnen Mist und Gülle für die Anlage zusammenkommen. Die Hälfte davon stammt vom eigenen Betrieb, die andere Hälfte gelangt über Leitungen als flüssige Gülle von Nachbarn zum Fahrhof. Angefangen hatte das Projekt landwirtschaftliche Biogasanlage mit der Idee, "aus unserem ‘Scheiss’ etwas zu machen", wie Marc Ruckli schmunzelnd erklärt.

Sein Bruder und er seien schon immer innovativ und umtriebig gewesen und überlegten sich auch jetzt stetig, wie Prozesse und Infrastruktur auf dem Betrieb optimiert werden könnten. "Eine eigene Hofdüngeranlage schien uns eine gute Idee", sagt Ruckli, "allerdings ist ein solches Projekt auch mit hohen Kosten verbunden. Unsere Anlage hat eine knappe Million gekostet."

Hilfe bei finanziellen und administrativen Fragen

Die Kosten seien es denn auch, die Landwirte oftmals von der Umsetzung eines solchen Projekts abhielten, führt der junge Landwirt weiter aus. "Im Gespräch mit dem Anlagenbauer und dem Fachverband Ökostrom Schweiz haben wir dann gemerkt, dass wir unter anderem vom Förderprogramm der Stiftung KliK profitieren können".

Seit 2023 und noch bis Ende 2025 gibt es für interessierte Landwirtinnen und Landwirte die Möglichkeit einer teilweisen Vorfinanzierung für ihre Hofdüngeranlage. "Dieser Investitionsbeitrag, zusätzlich zu weiteren Förderbeiträgen, gab schliesslich den Ausschlag für unser Projekt", erzählt Marc Ruckli.

Produkte einer landwirtschaftlichen Biogasanlage

Das Gas wird im Blockreizkraftwerk verbrannt und erzeugt so Strom. Dadurch entsteht Abwärme, die direkt im Vergärer der Biogasanlage genutzt wird, um die optimale Wärme für den mikrobiologischen Prozess der Methanisierung zu erhalten. Die Abwärme wird je nach Anlage auch in Wärmeverbünden zum Heizen von Wohngebäuden oder Ställen und vielfach auch zum Holz Trocknen genutzt.

Mittels Gasaufbereitung wird vom Roh-Biogas, das aus rund 60% Methan (CH₄) und rund 40% Kohlendioxid (CO₂) besteht, das Kohlendioxid technisch abgetrennt. Die Abtrennung bewirkt eine Erhöhung des Brennwertes – also einen höheren Energiegehalt. An der Tankstelle wird das Biogas in sogenannten 3-Bank Systemen gelagert, was eine sehr schnelle Druckbetankung ermöglicht.

Die Aufbereitung funktioniert auf die gleiche Weise wie jene zur Erzeugung von Treibstoff. Eine direkte Leitung zur Gasnetzinfrastruktur ermöglicht, dass Biogas aus Schweizer Anlagen den Gasverbrauch in der Schweiz dekarbonisiert.

Am Schluss der Biogas-Produktion in der Landwirtschaft steht die Gärgülle, die der unvergärten Gülle ähnlich sieht, aber andere Eigenschaften wie verbesserte Stickstoff- und Ertragswirkung, bessere Fliessfähigkeit und deutlich geringere Geruchsemissionen hat. Sie kann als hochwertiger Naturdünger genutzt werden.

Grosses Potenzial nutzen

Die Anlage auf dem Fahrhof ist die erste, die im Rahmen des Fördersystems mit einer Vorfinanzierung gebaut wurde und nun Strom für das lokale Netz produziert, wie Benjamin Jungblut vom Fachverband Ökostrom Schweiz ausführt. Ihm ist es ein wichtiges Anliegen, dass sowohl finanzielle als auch administrative Hilfsangebote noch breiter gestreut werden.

"Die Herausforderungen für den Bau und den Betrieb auch einer kleinen Hofdüngeranlage wie wir sie hier in Sins sehen, sind nicht zu verachten", betont Jungblut. Er appelliert deshalb an Landwirtinnen und Landwirte, die ein Projekt ins Auge fassen, sich entsprechende Unterstützung zu holen. Das energetische Potenzial der Hofdüngervergärung in der Schweiz ist gross: Ökostrom Schweiz schätzt es auf bis zu 4,3 Terrawattstunden. "Zurzeit werden jedoch erst knapp fünf Prozent der anfallenden Hofdüngermengen genutzt", sagt Benjamin Jungblut.

Wie dieses Potenzial auch auf kleineren Betrieben optimal ausgenutzt werden kann, zeigt der Fahrhof von Marc und Lukas Ruckli in Sins sehr anschaulich.

Genossenschaft Ökostrom Schweiz

Ökostrom Schweiz ist der Fachverband der landwirtschaftlichen Biogasproduzenten mit rund 200 Mitgliedern. Die Hauptaufgaben des Verbands sind die politische Interessenvertretung und die Beratung von Mitgliedern, die Vermarktung von Klimaschutzleistungen – unter anderem in Zusammenarbeit mit der Stiftung KliK – sowie Projektentwicklung, Marktentwicklung und Forschung. Sowohl im Rahmen der Energie- als auch der Klimastrategie der Schweiz sind landwirtschaftliche Biogasanlagen tragende Pfeiler. Aus dem Bio-Methan kann erneuerbare Energie in verschiedenen Formen produziert werden: Strom und Wärme, Biogas-Brennstoff oder Biogas-Treibstoff. Damit leisten Biogasanlagen einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz.